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Salamoninseln

DSC_0189.JPGVor einiger Zeit haben wir das Buch "Ponory v Pacifiku" (Tauchgänge in Pazifik) in die Hände bekommen, in dem Petr Katz die Lokalitäten beschreibt, die er innerhalb seiner Reise auf den Spuren der Schlachten des zweiten Weltkrieges in Pazifik besuchte. Seine packende Erzählung hat uns in solcher Weise beeindruckt, dass wir uns entschieden haben einige von den beschrieben Stellen zu besuchen. Die Wahl fiel auf die Laguna Truck, wo sich die versenkte Flotte der japanischen Kampfschiffe und vor allem Versorgungsschiffe befindet. Am Rückweg mit einem kleinen Halt auf der Insel Guam wollten wir einen der bekanntesten Wracks in Pazifik besuchen  - S.S. President Coolidge, der sich auf der Inselgruppe Vanuatu befindet. Dieser Plan war leider nicht aufgegangen, weil einer von uns das amerikanische Visum nicht bekommen hatte, das zum Überflug in die Micronesia  nötig war – Guam ist nämlich ein amerikanisches Territorium. Wir haben also wiederum im Buch von Petr Katz geblättert und unsere Aufmerksamkeit hat eine historisch bekannte Schlacht um Guadalcanal gefesselt – durch das Zusammentreffen der Umstände gleich im ersten Kapitel.

DSC_0466.JPGAuf der Insel Guadalcanal, die Teil der Salamoninseln ist, haben die Japaner innerhalb des zweiten Weltkrieges einen aus der Militärsicht bedeutenden Flughafen ausgebaut, der zum Anmarsch der japanischen Truppen in den Süden Richtung Australien dienen sollte. Innerhalb einer sechsmonatigen blutigen Schlacht um Guadalcanal ist es allerdings den Amerikanern gelungen die Insel zu erobern und der Henderson Flughafen wurde folgend zum Eingangstor für den Anmarsch in Richtung zu dem japanischen Gebiet, also auf die Insel Saipan, Okinawa, Guam u.ä. Schiffswracks, Flugzeugwracks und Wracks weiterer Militärtechnik befinden sich hier viele, dennoch ein erheblicher Teil von ihnen liegt in der Tiefe um die 100 Meter, was nicht in unseren Möglichkeiten war. Am Ende haben wir auf den Salamoninseln zwei Lokalitäten ausgewählt – die Insel Tulagi und die Insel Guadalcanal.

DSC 26.JPGDas Planen dieser dreiwöchigen Reise konnte beginnen. In Hinblick dazu, dass es sich nicht um einen Ausflug nach Egypten handelte, war es erforderlich viel mehr Sachen zu klären. In erster Linie war es nötig den Reiseplan der ganzen Fahrt zusammenzustellen. Erst haben wir uns entschieden alles individuell zu veranstalten, dennoch hat es sich herausgestellt, dass die aus der ökonomischen Sicht wesentlich billigere Variante ist das Ausnutzen der Dienste der Reisebüros für Taucher, die Verträge mit den Aerolinien, Hotels und Taucherstationen haben. Nach zehnten im Internet verbrachten Stunden haben wir Dive Fish Snow Travel aus Neuseeland gewählt, das aus unserem kleinen Test ökonomisch und mit dem Dienstniveau am besten ausgefallen ist. Zusammen mit ihnen haben wir den ausführlichen Reiseplan ausgefertigt, der alle Flüge, Unterkünfte und hauptsächlich das Tauchen in den gegebenen Gebieten beinhaltete. Wir fingen also endlich an zu packen.

  Als größtes Problem stellte sich heraus alles in das Gepäck zu bekommen, dessen Gewicht durch die Fluggesellschaften strikt gegeben ist. Zwanzig Kilogramm für das Hauptgepäck und bloße fünf für das Handgepäck. Die Wirklichkeit war in unserem Falle etwas anders. Zum Beispiel das Handgepäck hatten wir neunzehn Kilogramm und das Hauptgepäck wiegte 23 Kilogramm. Was kein Problem am Hinweg war, doch am Rückweg kostete uns dieses Übergewicht nicht kleine Finanzmittel.

Unsere Reise begann mit einem etwas hektischem Transport mit einem Auto nach Frankfurt, wo wir als letzte Reisende in das Flugzeug stiegen und endlich Erleichterung fühlten, dass wir das geschafft haben. Auf so einem großen Flughafen nämlich, den richtigen Parkplatz und folgend das Terminal zu finden, war wirklich nicht einfach. Nun erwarteten uns acht Stunden Fliegen nach Singapur, woher wir nach einer dreistündigen Pause nach Brisbane in Australien weiter fliegten. Der nächste Flug zu den Salamoninseln hat sich um nichtganz acht Stunden verspätet, so haben wir ausführlich den ganzen Flughafen besichtigt. Am Ende sind wir nach 35 mit Reisen verbrachten Stunden endlich am Henderson Flughafen gelandet. Dort hat uns schon Neil aus der Taucherstation Tulagi Dive erwartet, aber unser Gepäck wartete leider immer noch in Brisbane ab. Acht Stunden haben offenbar nicht gereicht um zwei Stück Gepäck aufzuladen. Die sind erst um zwei Tage später angekommen und das auf eine dringliche Anforderung. Erster Neils Satz war: „So herzlich willkommen in der dritten Welt.“ Wir schauten uns erschrocken gegenseitig an in Erwartung, was uns noch bevorsteht. In Hinblick zu der Zeitverschiebung von zehn Stunden und vielen mit Reisen verbrachten Stunden waren wir doch froh, dass wir das überlebten und das Gepäck haben wir weiter nicht mehr geklärt.

DSC 0.JPGNach dem Transport mit dem Schiff auf die Insel Tulagi haben wir uns endlich auf das Tauchen konzentrieren können. Mit ausgeliehener Ausrüstung war es nicht gerade einfach. Statt unserer Flügel, die verlassen in Brisbane steckten, bekamen wir Jacketts mit Bleigurten, für uns unprobierte Automatiken und ein paar weiterer Kleinigkeiten, die unsere neue „Konfiguration“ ergänzten. Es erwartete uns ein klassischer Check-dive, der uns aber ein Bisschen überrascht hat. Das Wrack des Transportschiffes Kanawha befindet sich nämlich in der Tiefe über 50 Meter, wobei uns unser Begleiter Neil auf den oberen Bord gleich in 47 Meter führte. Es war klar, dass der Zutritt in die Tiefen hier sich wesentlich von dem Tauchen unterscheidet, woran wir bis dahin gewöhnt waren. Den Tauchgang in diese Tiefe mit der Zeit von 14 Minuten am Grund haben wir mit einer Monoflasche 11 1 und einer Reserve Ponyflasche 4 1 realisiert. Der Luftvorrat also gegenüber den durch uns erprobten 2x12 l nichts besonders. Eine große Enttäuschung war zusätzlich die Sichtbarkeit. Die ganze vorige Woche hat es hier nämlich geregnet, also wurde alles aus den Urwäldern in das Wasser gespült und die Sichtweite erreichte stellenweise bloße sechs Meter. Es war also notwendig die fotografische Technik den gegebenen Bedingungen anzupassen.

kanawhaDSC 15.JPGWie wir schon erwähnt haben, unser erster Tauchgang führte auf das USS Kanawha genannte „Kämpfender Tanker“, welches einen strategisch wichtigen Rohstoff transportierte – Brennstoff für die anderen Schiffe. Es wurde also zum Hauptziel eines der größten japanischen Flugangriffen nach Pearl Harbor. Bei diesem Angriff wurde auch USS Aaron Ward gesenkt, zu dem wir später kommen werde. Kanawha sitzt auf dem Kiel und ist hinsichtlich der Tiefe wenig mit Korallen bewachsen. Insgesamt ist es im Wesentlichen nicht beschädigt, also können sie unter anderem Flugabwehrkanonen, Laderäume aus einem Teil mit Munition befüllt und kleinere Gegenstände wie Zum Beispiel Gasmasken, oder Ladungen und verschiedene kleine Gegenstände sehen.


DSC 5.JPGEin weiteres interessantes Wrack ist ein gesengter japanischer Hydroplan Kawanishi H6K5 – Mavis, der zum Transport von Soldaten und Versorgung der Mannschaften auf den Inseln diente. Dieses viermotorige Flugzeug wurde gesenkt, während es bei einem von den kleinen einheimischen Inseln verankert war. Daher ist es in ziemlich gutem Zustand und beschädigt hat es bloß einen Teil des Rumpfs und es fehlt ihm ein Teil des rechten Flügels mit einem Motor. Aus den lokalen Wracks handelt es sich um den flachsten Tiefgang, denn es liegt in „bloßen“ dreißig Metern.

 

 

Aaron_Ward_DD483.gifAls bestes Wrack wird auf Tulagi der USS Aaron Ward betrachtet, der im Krieg als Geleitschiff für Flugzeugträger und Kreuzer diente. Das Wrack des Schiffes wurde in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre entdeckt, aber Tauchen fing man an ihm erst im Jahr 1998 an. Bis zur heutigen Zeit sind auf ihm nichtganz 500 Taucher gewesen, unter denen wir auch die Möglichkeit als erste Tschechen zu sein hatten. Dieser 112 Meter lange Koloss begeisterte uns vollkommen. Bis dahin haben wir nämlich keine Chance gehabt ein ähnliches so ausgerüstetes Wrack zu besuchen. In der Tiefe von 65 Metern haben sich in absoluter, nur durch die Automatik unterbrochener Stille, in unseren Köpfen die letzten Minuten der fernen Vergangenheit dieses Kriegsfahrzeuges abgespielt. Schade, dass der Gasverbrauch und die folgende Dekompression uns bei jedem Tauchgang nicht mehr als bloße 14-17 Minuten am Grund ermöglichten. Ohne die beschleunigte Dekompression mit Hilfe von Nitrox und Sauerstoff hat es ohnehin schon bedeutet weitere mehr als 50 Minuten am Weg zum Wasserspiegel zu verbringen. Wenn auch Neils Taucherstation auch für Trimixtauchgänge ausgestattet war, ist für uns der Preis dieser Gase hinsichtlich der schon so hohen Kalkulation allzu hoch.

AaronDSC 15.JPGNach einer Woche Intensivtauchen, in für uns anspruchsvolle Bedingungen, haben uns Tauchgänge auf der Insel Guadalcanal erwartet. Welch eine Überraschung war für uns, dass wir 7 l Flaschen bekamen! Das hat an und für sich über den Anspruch der einheimischen Tauchgänge ausgesagt. Alles befindet sich hier in deutlich kleineren Tiefen, was allerdings ein ziemliches Vorstellungsvermögen verlangt, denn die Wracks sind hier ziemlich mit Korallen bewachsen  und mit Meerestieren bewohnt. Unser Einführungstauchgang auf dieser Insel führte uns auf ein japanisches Transportschiff benanntes Bonegi I. Das Vorderschiff befindet sich in der Tiefe von 10 Metern und das ganze Wrack führt angeblich bis zur 55 Metern. Bis zu einigen 30 Metern handelt es sich um einen bloßen Stück Eisen stark mit Korallen und Gorgonien bewachsen. Als wir doch in 38 Meter geraten, wo es begann viel interessanter zu sein, hat uns schon unser Begleiter mit einem erschrockenen Blick im Gesicht damit an den Flossen gezogen, dass wir schon in die Dekompression kommen könnten. Das war für uns nach der Absolvierung der Tauchgänge auf Tulagi fast zum Lachen. Bonegi haben wir also nicht ganz gesehen und nach dieser Erfahrung lehnten wir den Tauchgang auf der nur ein paar hunderte Meter weiter sich befindenden Bonegi II ab.

DSC 9.JPGStattdessen haben wir uns Richtung Wrack des Bombenflugzeugs B – 17, bekannt als  "Fliegende Festung" begeben. Das kehrte beschädigt zum Henderson Flughafen zurück, doch vollendete sein Flug nicht und stürzte dicht am Ufer der Insel Guadalcanal ab. Bis zum Ziel blieben ihm bloße 35 Kilometer übrig. In Bezug darauf, dass es sich in einer kleinen Tiefe befindet, ist das Flugzeug wiederum reichlich mit Korallen bewachsen. Wir bemühten uns hier, dasselbe Bild einzufangen, das Petr Katz bei seinem letzten Besuch machte und wir können sagen, dass sich hier der Zahn der Zeit ziemlich deutlich auswirkte. Es war nicht mehr möglich mit den Hebeln im Cockpit zu bewegen und bei den meisten Teilen des Flugzeuges ist es nötig eine ziemliche Fantasiemenge und Historiekenntnisse zu haben, damit sich der Mensch ableiten kann um was es eigentlich geht. In weiteren zwanzig Jahren bleibt hier statt des Flugzeuges nur noch ein schöner Korallenriff mit reichem Unterwasserleben.

DSC 10.JPG

Der letzte Tauchgang auf der Insel Guadalcanal war das Wrack des japanischen zum Transport von Soldaten und Kriegsmaterialien dienenden U-Bootes I – 1. Das U-Boot befindet sich ungefähr in 30 Metern und es ist notwendig zu bemerken, dass es ziemlich beschädigt ist. Den wesentlichen Anteil daran hat der australische Schatzsucher Wally Gibbons, der in der Wende der 60. und 70. Jahre die Idee bekam zum Rumpf des Bootes Ladungen anzubringen, damit er sich so den Weg in sein Inneres vereinfacht. Leider hat er das mit dem Sprengstoff übertrieben und es ist ihm zusätzlich gelungen einen noch funktionierenden Torpedo zu feuern. Deswegen sind heute aus dem U-Boot bloße Rumpfteile geblieben. Die Gesamtlänge des U-Bootes war angeblich 140 Meter, wobei es uns geling nur 25 Meter des Rumpfes zu durchschwimmen. Wir haben nur noch den Elektromotor und die Trimmbehälter gefunden, die Schiffsschraube fehlt leider. Zu diesem Wasserfahrzeug ist es uns nicht gelungen weitere Informationen zu erforschen. 

DSC_0401.JPG

Unser Tauchen auf den Salamoninseln war schon zu Ende und es erwartete uns das Überfliegen auf die Inselgruppe Vanuatu, wo wir zu dem SS President Coolidge und Million Dollar Point tauchen wollten. Wir hatten doch noch einen halben Tag vor dem Start des Flugzeuges zur Verfügung, den wir mit John Innes verbrachten, der uns für einen kleinen Beitrag durch die Kampffelder und Frontleinen des Guadalcanals durchführte. Wir besuchten unter anderem auch Stellen, wo sich die Handlung des bekannten Films Der Schmale Grat abspielt, der hier auch zum Teil gedreht wurde. Diese Landbesichtigung hat uns den gesamten Blick auf die Schlacht um Guadalcanal komplettiert. 

 

 

 

 
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